Glasmacherleben heißt immer früh aufstehn….

Ali Aziz im Gespräch mit Opa Franz, einem alten Glasmacher

Ich bin Ali. Und ich erzähle euch jetzt etwas über die Glastradition in meinem Heimatort Schneegattern:

Der Name Schneegattern steht seit mehr als zwei Jahrhunderten für solide Glasproduktion. Die noch heute hier ansässige Riedel-Fabrik ist ein big Player im internationalen Glasgeschäft und weltweit bekannt. In vielen Kaufhäusern zwischen Sydney und New York können Weinliebhaber die begehrten Riedel-Gläser kaufen. Das hat mir Edith erzählt, die diese Orte schon besucht hat und dort immer wieder sehr stolz auf die Produkte aus unserem Heimatort ist.

Glasmacherleben heißt immer früh aufstehn…. weiterlesen

Yana, die Sortiererin

Helga Konrad

Ich habe über viele Jahre in der Glasfabrik Riedel als Sortiererin gearbeitet, um etwas zu unserem Haushaltseinkommen und zu den Kosten für das Leben unserer vierköpfigen Familie beizutragen. Mit Kolleginnen mit Kopftüchern habe ich auch in der Arbeitswelt viele gute Erfahrungen gemacht. Ist ja egal, wie die Menschen ausschauen und was sie anziehen, wichtig ist doch der Mensch und der Charakter. Immer dann, wenn das Tuch aber aus Zwang getragen wird, stoße ich an die Grenzen meines Verständnisses. So ging es mir und auch anderen Kolleginnen bei Yana, einer türkischen Frau, die einige Jahre mit uns arbeitete.

Yana, die Sortiererin weiterlesen

Haltung und das Gute leben

Birgit Konrad

Eine Frage der Haltung. Ich bin in einem kleinen Ort im schönen Innviertel geboren. Wenn ich zurückdenke an meine Kindheit, dann erinnere ich mich noch gut daran, dass beide Omas immer wieder mal ein Kopftuch getragen haben, zum Kirchengang oder wenn es kalt war. Oder einfach so, damit man sich „ganz“ angezogen fühlte. Die eine Oma blieb diesem Brauch bis zu ihrem Tod treu, die andere ist im Laufe ihres Lebens dann auf Kappe, Haube und Hut umgestiegen.

Haltung und das Gute leben weiterlesen

XL Tücher

Denis Konrad

Meine Oma Güle trägt Kopftuch. Sie wohnt in Günyüzü, einem kleinen Dorf in der Nähe von Konya. Ich hab‘ den Eindruck, dass ihr Kopftuch X-Large ist. Nicht, weil meine Oma so groß oder dick wäre. Nein, weil sie sich einfach gerne darin einhüllt. Ohne Kopftuch kenne ich meine Oma auch. Manchmal, wenn sicher ist, dass kein Fremder mehr zu Besuch kommt, hat sie nämlich kein Tuch auf. Und sie hat schöne, rote Haare, die mit Henna gefärbt sind. Und natürlich schläft sie nicht mit dem Tuch, das hat mich nämlich mal mein Schulfreund gefragt.

XL Tücher weiterlesen

Weltenwanderer

Denis und Recep: Fremd ist, was wir noch nicht gesehen haben.

Aufwachsen tun die beiden gerade in einer kleinen Provinzstadt in Österreich. Geboren sind sie vor neun beziehungsweise zehn Jahren hier im örtlichen Krankenhaus. Doch das Fremde, manchmal so Andere ist ihnen gut vertraut und eigentlich gar nicht wirklich fremd: kommen sie doch jedes Jahr für ein paar Wochen nach Mittelanatolien um den Rest der Familie zu besuchen.

Weltenwanderer weiterlesen

Partizipation

Seinab Alawieh

Das Kopftuchgebot ist Bestandteil der islamischen Ethik und ein Gebot der islamischen Morallehre. Das Kopftuch ist kein politisches Symbol und keine symbolische Handlung, wie es im Christentum etwa die Bekreuzigung oder im Islam die Verneigung gegen Mekka ist. Das Kopftuch ist ein Teil der Bekleidung und wird in Übereinstimmung mit den Lehren des Islam getragen, obwohl es im Koran an keiner Stelle dezidiert erwähnt wird.

Partizipation weiterlesen

Das Kopftuch ABC

Das KOPFTUCH-ABC. Ein Lesebuch

Konrad, Edith, Alawieh, Seinab (2017),

Das  Kopftuch ABC, IKON, Brunn am Gebirge, ISBN 978-3-99023-475-4

Wir wissen, dass in vielen Ländern dieser Erde das Kopftuch noch Zeichen von Unterdrückung und Ausgrenzung ist. Wir sehen, dass Menschen, die es tragen, Tag für Tag immer wieder für politische oder religiöse Machtdurchsetzung instrumentalisiert und missbraucht werden. Und wir meinen, dass das zu verurteilen ist.  In einem von demokratiepolitischen Leitlinien getragenen modernen Europa sollte es heute aber möglich sein, ein Tuch zu tragen, wenn man sich selbst dafür entscheidet. Egal, ob es als Schutz vor Schmutz und Kälte dient, Teil einer Berufsbekleidung oder ob es für einen bestimmten Teil der Gesellschaft Botschaft und ein Zeichen religiöser Zugehörigkeit ist.

In unserem Kopftuch-ABC wollen wir zum Perspektivenwechsel anregen. Das Buch versteht sich als Appell für mehr Toleranz und Akzeptanz. Es fordert mehr Bereitschaft unserer Gesellschaft zu einem gutem und friedlichen Zusammenleben unterschiedlichster Menschen und unterschiedlichster Kulturen. Es baut auf den Werten von Freiheit, Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Chancengerechtigkeit auf und will einen Beitrag zur Entspannung in aktuellen Debatten über Kopftücher und Kopftuchverbote leisten. Dazu machen wir eine kleine Reise durch die Geschichte von Tüchern, die Frauen und Männer tragen. Wir berichten von Traditionen muslimischer Frauen aber auch von einer Kultur, die in einem der größten muslimischen Länder der Erde matriarchalisch geprägt ist und in der Frauen das Sagen haben. Wir porträtieren Frauen, die keine Musliminnen sind, aber trotzdem zum Kopftuch griffen oder immer noch greifen. Und wir erzählen über Männer mit Tüchern und lassen in den ABC-Geschichten Menschen zu Wort kommen, die Assoziationen mit Tüchern und ihre Geschichte dazu mit der Leserin und dem Leser teilen. Und weil das Leben die besten Geschichten schreibt, wollen wir Geschichten von Leserinnen und Lesern sammeln. Schreiben Sie uns unter: Kopftuchgeschichten@yahoo.com

 

 

Willkommensein ist Heimat

Nedim Cetinkaya: Heimat ist auch dort, wo man sich willkommen fühlt

Nicht daheim und doch zu Hause – so umschreibt der Kurdisch stämmige Österreicher Nedim Cetinkaya seine Beziehung zu Österreich und den Menschen, die hier leben. Mit seiner österreichischen Frau und dem gemeinsamen Sohn lebt er in Vöcklabruck und kann von sich behaupten, gut integriert zu sein, ohne auf seine Kultur und Religion verzichten zu müssen.

Willkommensein ist Heimat weiterlesen